Sind Frauen* gleichberechtigt in Führungspositionen vertreten?

Frauen* sind in Führungspositionen insgesamt noch immer deutlich unterrepräsentiert. Die Diskrepanz zwischen dem Anteil von Frauen* an allen abhängig Beschäftigten und dem Anteil an Frauen* in Führungspositionen bezeichnet man als Gender Leadership Gap.

Derzeit beträgt der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland im Durchschnitt etwa 30 Prozent. Dies ist dann der Fall, wenn man nicht nur Vorstände und Aufsichtsräte, sondern auch niedrigere Führungspositionen mit berücksichtigt.

Wie sieht es in den einzelnen gesellschaftlichen Bereichen aus?

Unternehmen

Das Gesetz für gleichberechtigte Teilhabe von Frauen* und Männern* in Führungspositionen verpflichtet seit Anfang 2016 rund 100 börsennotierte Unternehmen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mind. 30 Prozent der Posten mit Frauen* besetzt sind. Derzeit sind es 30.9 Prozent. Für Vorstandsposten gibt es keine Frauenquote, was dazu führt, dass in 3/4 dieser Unternehmen keine einzige Frau im Vorstand zu finden ist. Insgesamt sitzen in den Vorständen der 160 DAX-Unternehmen nur 47 Frauen – gegenüber 630 Männern [1].

3500 weitere Firmen müssen sich zumindest verbindliche Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen setzen. Nicht alle Unternehmen sind dieser Pflicht nachgekommen. Konstatiert werden kann, dass hier 7.2 Prozent der Vorstandsämter und 14.5 Prozent der ersten Führungsebene unterhalb des Vorstandes mit Frauen* besetzt sind [2].

In großen Familienunternehmen ist der Anteil von Frauen* mit 7,5 Prozent in der Vorstandsebene höher als in managergeführten Unternehmen (4,9 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Männer übergeben dabei eher ihren Söhnen die Unternehmensführung, Frauen hingegen ihren Töchtern. Die Studie zeigt auch, dass nur in jedem siebten Großunternehmen eine weibliche Führungskraft an der Spitze steht. Nur in 1,3 Prozent der Großunternehmen sind zwei oder mehr Frauen im Topmanagement tätig [3].

Öffentliche Einrichtungen

Auch in öffentlichen Einrichtungen gibt es immer noch erheblichen Nachholbedarf: In den obersten Bundesbehörden in Deutschland sind ca. 35 Prozent der Führungspositionen mit Frauen* besetzt. Seit 2015 ist damit der Anteil an Frauen in Führungsverantwortung in den obersten Bundesbehörden um 2,7 Prozentpunkte gestiegen.

Seit Januar 2016 gilt auch hier eine Geschlechterquote von 30 Prozent für die Neubesetzung von Gremiensitzen des Bundes in Aufsichtsgremien, wenn dem Bund mindestens drei Sitze zustehen. Der Mindestanteil ist seitdem bei Neuwahlen, Berufungen oder Entsendungen zu beachten. Seit 2018 gilt das Ziel, die Anteile auf 50 Prozent weiter zu erhöhen. Der durchschnittliche Frauenanteil beträgt derzeit 42 Prozent [2].

Wie ist die Situation in Sachsen?

In keinem anderen ostdeutschen Bundesland schaffen es Frauen* einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge so häufig bis an die Firmenspitze wie in Sachsen. Hier waren 2014 35 Prozent der Vorgesetzten auf der obersten Leitungsebene Frauen*. Diese Quote ist im Vergleich zu 2004 um sechs Prozentpunkte gestiegen. Kein anderes Bundesland hatte seit 2004 einen vergleichbaren Zuwachs zu verzeichnen [4].

In der öffentlichen Verwaltung, im Dienstleistungsgewerbe sowie im Sozial-, Gesundheits-, Erziehungs- und Unterrichtswesen besetzen Frauen* besonders häufig Führungspositionen. 17 Prozent der sächsischen Handwerksbetriebe werden von einer Frau* geführt, in Industrie und Handel sind es 36 Prozent. Vor allem kleine Unternehmen werden in 30 Prozent aller Fälle von einer Frau geführt. In mittelgroßen oder großen Unternehmen war es nur etwa jedes vierte.

Bezüglich des Frauenanteils in der sächsischen Landesregierung 2015 sind jedoch nur etwa 22 Prozent der Posten mit Frauen* besetzt. Sie sind damit deutlich unterrepräsentiert:

  • 30 Prozent Ministerinnen
  • 20 Prozent Staatssekretärinnen
  • ca. 16 Prozent Abteilungsleiterinnen
  • ca. 25 Prozent Referatsleiterinnen

Auch bei der Betrachtung der Entwicklung von 2012 zu 2015 schneidet Sachsen schlecht ab: Während der Frauenanteil auf Minister- und Staatssekretärsebene zumindest stagniert, sinkt er für Abteilungs- und Referatsleiterinnen. Dies könnte auch auf die Umstrukturierungen in Folge der Regierungsbildung nach der Landtagswahl 2014 zurückzuführen sein. Grundsätzlich ist der Frauenanteil in Führungspositionen in fast allen Ministerien gesunken, am deutlichsten im
Ministerium für Wirtschaft und Arbeit (-19,7 %), im Innenministerium(- 28,3 %) und im Kultusministerium(- 40,0 %) [5].

Welche Eigenschaften und Lebensgewohnheiten bringen Führungskräfte mit?

Viel mehr weibliche als männliche Führungskräfte arbeiten weniger als 35 Stunden in der Woche. Dagegen arbeiten viel mehr männliche als weibliche Führungskräfte mehr als 50 Stunden in der Woche.

Weibliche Chefs sind im Durchschnitt mit 41 Jahren knapp drei Jahre jünger als männliche. Der Anteil an Führungskräften mit Migrationshintergrund ist außerdem gestiegen: Unter den männlichen Führungskräften betrug er 22 Prozent, unter den weiblichen 27 Prozent. 70 Prozent der Führungskräfte besitzen einen Hochschulabschluss.

„Frauen in Führungspositionen sind seltener verheiratet und leben auch seltener mit ihrem Partner zusammen als Männer in Führungspositionen. Und nur selten leben Führungskräfte mit Kindern unter 16 Jahren in einem Haushalt – besonders bei Führungsfrauen ist das die Ausnahme. 73 Prozent der befragten weiblichen Chefs und 65 Prozent der befragten männlichen Chefs gaben an, kinderlos zu sein oder schon ältere Kinder zu haben.“ [6]