Gender Budgeting

Was ist Gender Budgeting?

Gender Budgeting ist Teil der Strategie von Gender Mainstreaming mit dem Ziel die tatsächliche Gleichstellung von Frauen* und Männern* auch in der Haushalts- bzw. Wirtschaftspolitik zu verankern. Es geht darum die Haushaltspläne einer Kommune geschlechtsspezifisch zu bewerten und eine Geschlechterperspektive auf allen Ebenen der Haushaltsplanung einzubeziehen. Das Ziel von Gender Budgeting ist es, die Verteilung von Ressourcen geschlechtssensibel zu analysieren und sie dann geschlechtergerecht zu verteilen. Ressourcen sind dabei insbesondere Geld, Zeit, bezahlte und unbezahlte Arbeit. Es geht auch darum zu prüfen, ob öffentliche Finanzentscheidungen zu einer Förderung der Gleichstellung beitragen oder Ungleichheiten verstärken.

Die Haushaltspolitik und der konkrete Haushalt einer Kommune, Einrichtung, Behörde, Hochschule, etc. sollen demnach so ausgerichtet sein, dass durch Schwerpunktsetzungen und Mittelverteilungen die Chancengleichheit zwischen Frauen* und Männern* vergrößert wird. Gender Budgeting besteht deswegen nicht aus einem gesonderten Haushalt – weder für Frauen* noch für spezifische Maßnahmen der Gleichstellung. Vielmehr geht es insgesamt um eine geschlechtergerechte Haushaltspolitik, um die gleichstellungspolitischen Wirkungen aller Einnahmen und Ausgaben einer Regierung. Gender Budgeting bedeutet dann beispielsweise zu prüfen, ob eine Stadt ihr Budget vorrangig für den Bau neuer Straßen verwendet statt für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. De Facto vernachlässigt sie nämlich damit die Bedürfnisse von Frauen*, da diese stärker den ÖPNV nutzen.

Gender-Budgeting geht zurück auf eine Initiative des Rates der Gemeinden und Regionen Europas. 2006 erschien das Konzept erstmalig in der Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene.

Im Zuge eines Gender-Budgeting-Prozesses müssen

  • Daten erhoben werden, um zu erkennen, wo Handlungsbedarf besteht
  • Fragen beantwortet werden wie
    • Welche Zielgruppen werden durch die städtischen Angebote erreicht?
    • Wie wirkt sich die Vergabe öffentlicher Mittel auf die Lebensverhältnisse von unterschiedlichen Geschlechtern aus?
    • Werden spezifische Lebensbereiche besonders berücksichtigt?
  • Gleichstellungsziele definiert werden
  • der bestehende Haushalt, also Einnahmen und Ausgaben, im Hinblick auf die Gleichstellungsziele analysiert werden
  • und schließlich Veränderungen umgesetzt werden, um die Gleichstellungsziele zu erreichen.
  • Die Seite „Gender Budgeting“ der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung der Stadt Berlin liefert niedrigschwellig weitergehende Informationen zum Thema.
  • Die Publikation „Leitfäden und Checklisten für Gender Mainstreaming und Gender Budgeting“, herausgegeben von der österreichischen Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst, listet die wichtigsten Leitfäden und Checklisten für Gender Mainstreaming und Gender Budgeting auf, die in den letzten Jahren auf EU-, Bundes-, Landes- und Gemeindeebene entwickelt wurden, mit den entsprechenden Links zur inhaltlichen Vertiefung.
  • Das Forschungspapier „Gender Budgeting“ des GenderKompetenzZentrums der HU Berlin gibt weitere Informationen zum Konzept Gender Budgeting, Umsetzungsverfahren und definiert Erfolgsfaktoren sowie Herausforderungen.
  • Die Publikation „Öffentliche Gelder wirkungsvoll, gerecht und transparent verteilen…mit Gender Budgeting!“ der Friedrich-Ebert-Stiftung gibt Antworten auf die Fragen Was ist Gender Budgeting? Was bringt das für die Demokratie? Und: Wie kann es eingeführt werden?
  • Eine geschlechtergerechte Haushaltspolitik gibt es in Deutschland auf Bundesebene bislang nicht. Dabei ist die Einführung eines Geschlechtergerechten Bundeshaushalts (GGH) einfach umsetzbar, zeigt das Gutachten Geschlechtergerechter Bundeshaushalt am Beispiel von Arbeitsmarkt- und Sportführung. Es legt dar, warum die Einführung eines GGH in Deutschland auf Bundesebene als Instrument für eine moderne, transparente Haushaltsführung notwendig ist.
  • Die Stadt Münster hat ein Konzept für Gender Budgeting entwickelt und nennt dieses FinanzFAIRteilung: In einer dazugehörigen Gebrauchsanleitung  gibt die Stadt einen Einblick, wie sich das Konzept in der Praxis umsetzen lässt.
  • Die Publikation Feministische Finanzpolitik – auch in Krisenzeiten ein blinder Fleck der Friederich-Ebert-Stiftung widmet sich den Folgen fehlender feministischer öffentlicher Haushaltsplanung und betrachtet dabei die Erfahrungen aus Österreich.
  • In der Interviewreihe Fünf starke Stimmen zu fe­ministischer Ökonomie und Finanzpolitik befragt die Friedrich-Ebert-Stiftung Expertinnen zum Gender Gift Gap, der Idee einer feministischen Care-Ökonomie oder Gender­ Budgeting in Krisenzeiten.
  • Der Gender Budgeting Bericht 2019 für das Operationelle Programm des Bundes ist der zweite Gender Budgeting Bericht in der Förderperiode 2014-2020. Im Bericht werden Ausgaben- und Teilnahmeanteile von Frauen* und Männern* programm- und prioritätsachsenbezogen dargestellt. Der zentrale Ergebniswert liegt bei 43,9 Prozent und bildet den Anteil an den Gesamtausgaben ab, der für Frauen* in insgesamt 17 ausgewerteten ESF-Bundesprogrammen verwendet wurde.

Redaktion

Maria Kropp I Katharina Tampe I letzte Aktualisierung 01.07.2024