Was bedeutet Armut?

Die Auffassung, was Armut ist und wer zur Gruppe der Armen gehört, ist sehr umstritten. Armut ist in jedem Fall mehrdimensional, d.h. sie ist sowohl ein ökonomisch-materielles, als auch ein kulturelles, soziales und psychisches Problem. Armut betrifft somit immer verschiedene Ebenen und Bereiche des Lebens einer Person.

Bei der Frage, was Armut ist, wird zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden. Der Weltbank zufolge ist absolute Armut durch ein tägliches Einkommen von max. 1,25 US$ (=1,11€) gekennzeichnet. Weltweit gibt es 1,2 Milliarden Menschen, die davon betroffen sind.

In Deutschland, als einem der reichsten Länder der Welt, spricht man von relativer Armut. Hier werden Menschen als arm bezeichnet, die an oder unterhalb der Armutsgrenze leben, d.h. deren Einkommen weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens beträgt. Es geht dann weniger um die Frage des körperlichen Überlebens, sondern des menschenwürdigen Lebens.

Laut des Armutsberichts „Menschenwürde ist Menschenrecht“, der 2016 vom paritätischen Gesamtverband veröffentlicht wurde, betrug die gesamtdeutsche Armutsquote im Jahr 2014 15,4 Prozent.

Armut und Gender

Die Armutsquote der Frauen befand sich mit 16 Prozent leicht darüber und die der Männer mit 14,8 Prozent leicht darunter. Das tatsächliche Armutsrisiko vor allem von Frauen ist damit jedoch nicht vollständig abgebildet.

Dass es in Deutschland mehr arme Frauen als arme Männer gibt, hat verschiedene Gründe: Frauen droht nicht nur Armut, wenn sie arbeitslos oder erwerbsunfähig werden, sondern auch nach einer Trennung, wenn sie alleinerziehend sind oder im Alter. Aufgrund traditioneller Rollenbilder sind Frauen nach wie vor außerdem mehr an die Haus- und Familienarbeit gebunden als Männer. Dadurch fehlen ihnen Möglichkeiten und Ressourcen durch eigene Arbeit Einkommen zu erzielen. Ein fehlendes Einkommen gilt als größtes Armutsrisiko von Frauen. Ein weiterer Grund sind große Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern.

Diese prekären Arbeitsverhältnisse vermindern, zum Beispiel im Fall von Arbeitslosigkeit, auch die Leistungen aus dem sozialen Sicherungssystem und fördern die Abhängigkeit der Frauen von anderen. Am schlimmsten ist die Situation für Alleinerziehende. Sie sind am häufigsten von Einkommensarmut betroffen, da die Angebote zur Kinderbetreuung meist unzureichend sind und es für die Mütter deshalb kaum möglich ist, einer existenzsichernden Beschäftigung nachzugehen.

Sowohl Menschen mit Migrationshintergrund als auch Menschen mit Behinderung sind in Deutschland jeweils rund doppelt so häufig von Armut betroffen.