Wie steht es um das Thema Vereinbarkeit?

Für viele Menschen ist es heutzutage schwierig, die Betreuung und Pflege von Kindern und Angehörigen mit dem eigenen Beruf zu vereinbaren. Das hat verschiedene Gründe.

Zahlen des DGB-Index Gute Arbeit 2017 zeigen: 41 Prozent der Beschäftigten sind oft so erschöpft, dass sie nicht dazu kommen, „sich um private oder familiäre Angelegenheiten zu kümmern“. Dies sagen 47 Prozent der befragten Frauen* und 37 Prozent der befragten Männer*. Berufliche und private Interessen unter einen Hut zu bringen, scheitert oft an zeitlichen Hürden und macht besonders Frauen* zu schaffen [1].

Die alltägliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nach wie vor durch traditionelle Männlich- und Weiblichkeitsbilder geprägt, obwohl die Aufgabenverteilung in der Idealvorstellung der meisten Eltern gleichberechtigt erfolgen soll. Das geht unter anderem aus der Studie „Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf“ (2015) des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor. Sie betrachtet, wie Paare mit kleinen Kindern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leben und leben wollen. Laut der Studie werden die Entscheidungen zur Aufgabenteilung von dem Wunsch nach Zeit für die Familie, Wertvorstellungen, dem Einkommen und den Arbeits- und Betreuungsbedingungen beeinflusst. Der Alltag von Paaren entspricht jedoch nur zum kleinen Teil den Idealvorstellungen. So nehmen z.B. hauptsächlich Frauen* (den Großteil der) Elternzeit und leisten auch im späteren Familienalltag neben der Erwerbsarbeit den größeren Teil der Kinderbetreuung und Hausarbeit. In der Lebensphase zwischen 40 und 60 Jahren übernehmen meistens sie die Pflege Angehöriger. Um ihren familiären Pflichten nachzugehen, sind es deshalb überwiegend Frauen*, die in Teilzeit arbeiten [2].

Welche politischen Maßnahmen gibt es, um die Vereinbarkeit zu erleichtern?

Mit dem Elterngeld bzw. ElterngeldPlus sowie dem Ausbau der Kinderbetreuung gab es in Deutschland bereits einige Fortschritte hinsichtlich der gleichmäßigen Aufteilung der Erwerbs- und Familienarbeit zwischen beiden Elternteilen. Damit das Ziel der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Eltern verwirklicht wird, braucht es allerdings noch weitere Maßnahmen von Politik und Wirtschaft.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gibt in dem Bericht „Dare to Share – Deutschlands Weg zur Partnerschaftlichkeit in Familie und Beruf“ folgende Empfehlungen [3]:

  • Mehr Anreize schaffen, sodass Väter länger in Elternzeit gehen
  • Kinderbetreuung für Kleinkinder ausbauen und Betreuungsmöglichkeiten für Grundschulkinder schaffen
  • Förderinstrumente entwickeln, z.B. Familienarbeitszeit
  • Einen Anspruch darauf schaffen, die Arbeitszeit nach Verringerung aus familiären Gründen wieder hochzusetzen
  • Vereinbarkeitsfördernde Personalmaßnahmen in Unternehmen weiterentwickeln

Auch Unternehmen haben einen relevanten Einfluss darauf, inwiefern es Eltern möglich ist, familiäre Aufgaben partnerschaftlich aufzuteilen. Sie können Mütter und Väter unterstützen, indem sie diverse Arbeitszeitmodelle und berufliche Entwicklungsperspektiven anbieten oder für einen gelingenden Wiedereinstieg sorgen.

Gleichstellungsbeauftragte können ebenfalls einen Beitrag für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie leisten. Dazu gehört neben der Beratung von Eltern und Alleinerziehenden auch die Mitwirkung bei Konzepten der Kinderbetreuung und das Einbringen von Maßnahmen in der Stadtplanung, die besondere Auswirkungen auf Frauen* und Männer* mit Kindern haben, wie zum Beispiel sichere Verkehrsführung oder leicht zu erreichende Spielplätze.